Cannabis & MPU 2025: Neuer THC-Grenzwert 3,5 ng/ml — Was das für dich bedeutet
Seit der Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 und dem neuen THC-Grenzwert im August 2024 hat sich die Rechtslage für Fahrer in Deutschland grundlegend verändert. Wer die MPU wegen Cannabis vor sich hat — oder sich fragt ob er überhaupt noch zur MPU muss — findet hier alle aktuellen Informationen auf einen Blick.
1. Der neue THC-Grenzwert seit August 2024
Mit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (CanG) am 1. April 2024 wurde Cannabis in Deutschland teillegalisiert. Am 22. August 2024 trat dann der neue gesetzliche THC-Grenzwert im Straßenverkehr in Kraft: 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum.
Dieser Grenzwert ist vergleichbar mit der 0,5-Promille-Grenze bei Alkohol. Wer darunter liegt, begeht grundsätzlich keine Ordnungswidrigkeit — zumindest nicht allein aufgrund des THC-Wertes. Wer darüber liegt, muss mit Konsequenzen rechnen.
2. Wann droht jetzt noch eine MPU wegen Cannabis?
Die gute Nachricht: Nicht jeder Cannabis-Verstoß führt automatisch zur MPU. Die Regelungen haben sich durch das neue Cannabisgesetz deutlich verändert. Eine MPU wird nur noch in bestimmten Fällen angeordnet — analog zur Regelung bei Alkohol.
Kein automatischer MPU-Grund mehr:
- Einmaliger Verstoß unter 10 ng/ml THC ohne weitere Auffälligkeiten
- Regelmäßiger Konsum allein (ohne Verkehrsverstoß)
- Besitz einer kleinen Menge Cannabis (ohne Verkehrsverstoß)
MPU wird angeordnet bei:
- Sehr hohen THC-Werten (ab 15 ng/ml) — vergleichbar mit 1,6 Promille Alkohol. Führerscheinstellen gehen von starker Berauschung aus und ordnen sofort MPU an.
- Wiederholten Verstößen — wer mehrfach unter Cannabis-Einfluss am Steuer auffällt, muss unabhängig vom THC-Wert mit einer MPU rechnen.
- Hinweisen auf Abhängigkeit oder Missbrauch — wenn das Konsummuster auf Abhängigkeit hindeutet, wird eine MPU angeordnet.
- Mischkonsum — Cannabis zusammen mit Alkohol oder anderen Drogen.
3. Grenzwerte im Überblick
| THC-Wert im Blutserum | Konsequenz | Vergleich Alkohol |
|---|---|---|
| Unter 3,5 ng/ml | Keine Ordnungswidrigkeit, keine MPU | Unter 0,5 Promille |
| 3,5 – 10 ng/ml | Bußgeld (ab 500 €), 2 Punkte, Fahrverbot. MPU bei Ersttätern meist nicht. | 0,5 – 1,1 Promille |
| 10 – 15 ng/ml | Grauzone — MPU je nach Bundesland möglich | 1,1 – 1,6 Promille |
| Ab 15 ng/ml | MPU wird in der Regel sofort angeordnet | Ab 1,6 Promille |
| 0,0 ng/ml (Fahranfänger < 21) | Absolutes Verbot — jeder Nachweis führt zu Konsequenzen | 0,0 Promille |
4. Nachweiszeiten von THC — was das Labor wirklich misst
Ein weit verbreiteter Irrtum: THC ist lange nach dem Konsum noch nachweisbar — auch wenn du dich längst nicht mehr berauscht fühlst. Das ist für die MPU besonders relevant, weil Gutachter aus den Werten auf dein Konsummuster schließen.
Das Labor misst in der Regel zwei Werte:
- THC (aktiv) — der psychoaktive Wirkstoff, der akute Berauschung anzeigt
- THC-COOH — das Abbauprodukt, das auf zurückliegenden Konsum hinweist
Aus der Kombination beider Werte schließen Gutachter auf die Häufigkeit des Konsums:
| Konsummuster | THC im Blut | THC-COOH im Urin | THC im Haar |
|---|---|---|---|
| Einmaliger Konsum | Bis 12 Stunden | Bis 3 Tage | Nicht relevant |
| Gelegentlicher Konsum | Bis 24 Stunden | Bis 10 Tage | Bis 3 Monate |
| Regelmäßiger Konsum | Bis 48 Stunden | Bis 30 Tage | Bis 6 Monate |
5. Führerschein-Amnestie: Alte Verstöße werden neu bewertet
Das ist ein wichtiger Punkt für alle, die ihren Führerschein wegen eines Cannabis-Verstoßes vor August 2024 verloren haben: Die neue Rechtslage wird in vielen Fällen rückwirkend angewendet.
- Dein damaliger THC-Wert unter 3,5 ng/ml lag
- Es sich um einen einmaligen Verstoß handelte
- Kein Mischkonsum (Cannabis + Alkohol) festgestellt wurde
- Keine Hinweise auf Abhängigkeit oder Missbrauch vorlagen
In diesem Fall solltest du bei der Führerscheinstelle einen Antrag auf Neuerteilung stellen und auf die neue Rechtslage hinweisen. Das Verwaltungsgericht Aachen hat in einem Urteil von 2025 bestätigt, dass Behörden bei der Anordnung einer MPU an die neuen Grenzwerte gebunden sind — auch rückwirkend.
In der Praxis beharren manche Führerscheinstellen trotzdem auf einer MPU. In diesem Fall ist anwaltliche Beratung durch einen Fachanwalt für Verkehrsrecht empfehlenswert.
6. So bereitest du dich auf die Cannabis-MPU vor
Wenn du eine MPU wegen Cannabis vor dir hast, gilt dasselbe wie bei jeder anderen MPU: Die Vorbereitung entscheidet. Gutachter stellen bei der Cannabis-MPU sehr spezifische Fragen — und sie wissen genau, welche Antworten glaubwürdig sind und welche nicht.
Was Gutachter bei der Cannabis-MPU prüfen:
- Hast du wirklich verstanden, warum Cannabis und Fahren nicht vereinbar sind?
- Kannst du glaubhaft machen, dass du dauerhaft abstinent bist?
- Was hat sich in deinem Leben verändert — und warum ist die Veränderung stabil?
- Wie hoch waren deine THC-Werte — und welches Konsummuster lässt das erkennen?
- Hast du ausreichende Abstinenznachweise (Blut, Urin, Haar)?
Abstinenzfristen vor der MPU:
- Gelegentlicher Konsum: in der Regel 6 Monate nachweisliche Abstinenz
- Regelmäßiger Konsum: in der Regel 12 Monate nachweisliche Abstinenz
- Abhängigkeit: Therapienachweis + 12 Monate Abstinenz
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Zum MPU Handbuch →7. Fazit
Die Teillegalisierung von Cannabis hat die Rechtslage für Fahrer grundlegend verändert — aber nicht vereinfacht. Der neue THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml bringt mehr Klarheit im Ordnungswidrigkeitenbereich, doch bei der MPU-Anordnung gibt es nach wie vor Grauzonen und Unterschiede zwischen den Bundesländern.
Die wichtigsten Punkte zum Mitnehmen:
- Unter 3,5 ng/ml: keine Ordnungswidrigkeit, keine MPU
- Über 15 ng/ml oder wiederholt auffällig: MPU in der Regel unvermeidbar
- Alte Verstöße unter 3,5 ng/ml können rückwirkend neu bewertet werden
- Abstinenzfristen von 6–12 Monaten vor der MPU einplanen
- Ehrlichkeit und echte Einsicht sind die einzige Strategie die im Gutachtergespräch funktioniert
Dieser Artikel wurde auf Basis des Fachbuches „Mit Verkehr & Psychologie durch die MPU" von Frank Hoffmans erstellt. Frank Hoffmans ist Verkehrspsychologe mit über 30 Jahren Erfahrung in der Fahreignungsdiagnostik. Das Buch enthält echte Gutachten, Original-Prüfungsfragen und bewährte Antworten aus realen MPU-Verfahren — auch für Cannabis-Fälle.